Gertrud Kolmar: Ein Fetzen Weh

Gertrud Kolmar
(geboren am 10. Dezember 1894 in Berlin; ermordet Anfang März 1943 in Auschwitz)

Ein Fetzen Weh

Ein Fetzen Weh, vom Wind daher gefegt
Das war er nun.
Ich hab ihn still ins heil’ge Buch gelegt,
Zu ruhn – zu ruhn – – –

Und die vergilbten Blätter schlossen ihn
So linde ein,
Die Totenhülle, weißer denn Jasmin,
Der braune Schrein.

So fern der Unrast, die da draußen tost,
Hat er geruht.
Und war der Klage voll und gab mir Trost –
Er war so gut – – –