Obst – Feige

Echter Feigenbaum, Ficus carica, im Norden

Autor: Gregor Dietrich

Bei Feigenbäumen denkt man unwillkürlich an den Mittelmeerraum. Dabei stammt der Echte Feigenbaum (Ficus carica) aus Kleinasien. Die Gattung Ficus ist nicht nur mit über tausend Arten sehr artenreich, sie ist auch sehr alt. Unsere Feige ist als Art ebenfalls sehr alt. Bereits im Diluvium kam sie in Mitteleuropa vor. Die letzte Eiszeit aber verdrängte die fast bis Paris vorgedrungene Art wieder aus Europa. Vor 5000 Jahren nutzten sie die Assyrer, die Griechen kannten sie erst 700 v. Chr.

Die Abgrenzung der Art und ihrer nächsten Verwandten im arabischen Raum und in Ostafrika ist etwas schwierig. Die Echte Feige selbst ist sehr variabel was Frosthärte, Fruchtfarbe und -größe angeht. Meist gelten die grünen und gelben Feigen bzw. die Sorten mit weniger tief gelappten Blättern als winterhärter.

Die Früchte sind eigentlich Fruchtstände. Gegessen wird Achsengewebe, das die kleinen Blüten umschließt, sowie die eigentlichen Früchte. Aus den weiblichen Blüten entstehen kleine Steinfrüchte. Viele Fruchtsorten haben nur weibliche Blüten. Zwar entwickeln sich auch ohne Befruchtung Feigen (Parthenocarpie), bei erfolgter Befruchtung ist der Fruchtansatz jedoch besser. Daher arbeitet man in den Hauptanbaugebieten mit Caprifikation: In die Kronen blühender Fruchtsorten wird ein Ast einer ungenießbaren, auch männliche Blüten tragenden Bocksfeige (Caprificus) gehängt. In den Blütenständen leben Feigenwespen (Blastophaga psenes), eigentlich Parasiten, aber die einzigen, die Feigen bestäuben können. In den großblütigeren Fruchtsorten können sie jedoch nicht parasitieren, weil ihr Legestachel nicht lang genug ist, daher verlassen sie den Blütenstand wieder.

Feigen enthalten 12% Zucker, nämlich Saccharose und Glucose, getrocknet sind es 53% Saccharose, welche die Früchte konserviert. Ungewöhnlich hoch ist der Kalziumgehalt.

Feigen wachsen als Sträucher oder bis 10 m hohe Bäume. Bei uns werden sie entweder als Kübelpflanzen behandelt oder an geschützten Stellen im Freiland verwendet. Pflanzenteile, deren Temperatur unter etwa -10°C absinkt, erfrieren. Daher ist guter Winterschutz ratsam, vor allem Windschutz ist wichtig. Man kann beispielsweise mit Erde anhäufeln und den Strauch mit Bauvlies einwickeln. Friert der Strauch dennoch zurück, so bildet er Stockausschläge, sofern die Bodentemperatur nicht auch unter diesen Wert absinkt.

Im Süden gibt es drei Ernten im Jahr. Das ist bei uns nur im Glashaus erreichbar. Als kellerüberwinterte Kübelpflanzen kann man bei uns zwei Ernten erreichen, im Freiland nur eine. Schwere, mineralische Böden werden bevorzugt. Die Vermehrung erfolgt am besten durch Stecklinge im Frühjahr vor dem Austrieb, bei frostfreier Überwinterung auch im Herbst.

Übrigens ist auch Ficus pumila, die Kletter-Feige, eine bekannte Zimmerpflanze, in manchen Gegenden unter Schutz im Freien kultivierbar.

Dass Feigen an geschützten Stellen auch bei uns im Freien gezogen werden können ist gar nicht so unbekannt. Ausser Tipps für den Winterschutz wird man sonst allerdings wenig über die richtige Kultur erfahren.

Gerne wird ein Feigensteckling aus dem Urlaub mitgebracht. Auch in gut sortierten Gartencentern ist die uns typisch mediterran erscheinende aber aus Zentralasien stammende Obstart als Kübelpflanze erhältlich. Hin und wieder wird der Versuch unternommen, die Pflanzen im Freien auszupflanzen. Um Feigen bei uns erfolgreich im Freiland zu kultivieren, müssen Sie folgenden Faktoren besondere Beachtung schenken:
– der Winterhärte
– dem Standort
– der Blütenbiologie
– dem Wachstums- und Fruchtrhythmus
Diesen Punkten will ich mich im Folgenden widmen.

Winterhärte und Standort

Nicht alle Pflanzen sind gleich hart. Manche Sorten halten kaum Fröste aus, andere können doch erhebliche Minustemperaturen ertragen. Die durchschnittliche Frosttoleranz liegt bei etwa 10°C. Pflanzenteile, deren Temperatur unter diese Toleranzgrenze absinkt, erfrieren. Daher ist guter Winterschutz ratsam. Vor allem Windschutz ist wichtig, da Wind nicht nur zu starker Abkühlung bis tief ins Holz führt, sondern auch den Wasserbedarf steigert. In gefrorenem Boden allerdings kann die Feige kein Wasser aufnehmen und vertrocknet. Oft entsteht dann der Eindruck, die Pflanze wäre erfroren.
Andererseits darf der Boden im Winter nicht zu feucht sein, da die Wurzeln der aus Trockengebieten stammenden Pflanze leicht faulen können, vor allem in humosen, aber auch in schweren Böden. Eine gute Drainageschicht ist daher von Vorteil.

Winterschutzmethoden gibt es mehrere. Am bewährtesten ist das anhäufeln mit Erde und den Strauch mit Bauvlies einzuwickeln. Friert der Strauch dennoch zurück, so bildet er Stockausschläge, sofern die Bodentemperatur nicht unter die Toleranzgrenze absinkt. Allgemein gelten grüne und gelbe Feigen als winterhärter als violette, ebenfalls Sorten mit weniger tief gelappten Blättern.

Wichtig ist ein geschützter Standort. Allerdings muss dabei beachtet werden, dass Feigen so viel Sonne wie möglich bekommen! Das ist nicht nur zur Fruchtbildung, sondern auch für das Ausreifen des Holzes von Bedeutung. Ein Pflanzort an einer hell gestrichenen Südwand ist ideal.

Blütenbiologie

Die Früchte sind eigentlich Fruchtstände. Gegessen wird Achsengewebe, das die winzigen Blüten umschließt, sowie die Blüten und eigentlichen Früchte selbst: Der Stängel stülpt sich nach innen und bildet einen Hohlraum, in dem die Blüten sitzen. Aus den weiblichen Blüten entstehen kleine Steinfrüchte, die von fleischig rot gewordenen Blütenblättern umgeben sind. Viele Fruchtsorten haben nur weibliche Blüten. Bei vielen Klonen entwickeln sich auch ohne Bestäubung Feigen (Fruchtbildung ohne Bestäubung nennt man Parthenocarpie), die den Vorteil haben, keine echten Früchte zu entwickeln, also keine Körndeln. Bei erfolgter Bestäubung ist die Ernte jedoch größer, die Feige saftiger. Daher arbeitet man in den Hauptanbaugebieten mit Caprifikation: In die Kronen blühender Fruchtsorten wird ein Ast einer ungenießbaren, auch männliche Blüten tragenden Bocksfeige (Caprificus) gehängt. In den Blütenständen leben Feigenwespen (Blastophaga psenes), eigentlich Parasiten, aber die einzigen, die Feigen bestäuben können. In den großblütigeren Fruchtsorten können sie jedoch nicht parasitieren, weil ihr Legestachel nicht lang genug ist und sie verlassen den Blütenstand nach erfolgter Bestäubung wieder.
Bei uns kommt diese Wespe nicht vor. Sie ist nicht winterfest. Daher kommen für die erfolgreiche Kultur als Obst bei uns nur parthenocarpe Klone in Frage.

Lebensrythmus

Ein weiteres Geheimnis ist die Blatt- und Fruchtfolge. Feigen sind sehr anpassungsfähig: In winterkalten Regionen sind sie sommergrün, in sommertrockenen Gebieten können sie im Sommer fast alle Blätter verlieren. Mitunter können sie im Sommer und im Winter fast ohne Laub dastehen, in feuchteren, warmen Gebieten sind die Pflanzen mehr oder weniger immergrün. Bei unseren langen Wintern wird zu große Sommertrockenheit nicht gut vertragen.
Was in diesem Zusammenhang interessiert, ist der Blührhythmus: In warmen Gebieten gibt es bis zu drei Ernten im Jahr. Bei uns ist das kaum möglich. Lediglich im Wintergarten durchkultiviert besteht diese Chance. Im Freiland gibt es ein Problem: Im Frühjahr erscheinen an oberen Teilen des alten Holzes, sofern es keine Frostschäden hat, Blütenstände, aus denen sich in der Regel essbare Feigen entwickeln. Die Neutriebe entwickeln zuerst Blütenstände, die keine genießbaren Feigen hervorbringen. Wenn das alte Holz erfroren ist, so wird man vergeblich auf den Fruchtgenuss warten. In warmen Sommern bilden die Neutriebe im Herbst allerdings nochmals fruchtfähige Blütenstände, die bei uns kaum die Möglichkeit haben auch nur halbwegs auszureifen. Aber auch was diesen Rhythmus anbelangt gibt es individuelle Unterschiede. Manche Klone tragen auch an Neutrieben.

Konsequenzen für eine erfolgreiche Kultur

Wenn die Feige im Garten keine schmackhaften Früchte hervorbringt, so kann das mehrere Ursachen haben:
– ein nicht parthenocarper Klon oder gar eine Bocksfeige (Caprificus)
– ungenügende Winterhärte des Holzes bei nicht an Neutrieben ausreifenden Klonen
– ein falscher Standort, an dem das Holz nicht zur Frosthärte ausreift, zu wenig Sonne zur Fruchtbildung, Winternässe, starker winterliche Winde, …
– falscher Schnitt, durch den die oberen, tragenden Teile des alten Holzes entfernt werden
Leider sind kaum benannte Sorten für unser Klima getestet worden bzw. die Ergebnisse veröffentlicht worden. Lediglich die geschützte Sorte 'Violetta' ist gut winterhart obwohl violettfrüchtig und als Bayernfeige im Handel. Sonst gilt: Selbst experimentieren! Dazu werden im Urlaub in südlichen Ländern etwa 15 cm lange Grünstecklinge geschnitten, die im Wasser bewurzeln und den ersten Winter frostfrei überwintert werden. Für eine Freilandüberwinterung muss die Pflanze gut eingewurzelt sein und sollte daher spätestens Ende Mai ausgepflanzt werden.

Inhaltsstoffe

Feigen enthalten 12% Zucker, nämlich Saccharose und Glucose, getrocknet sind es bei Saccharose 53%, die die Früchte konservieren. Ungewöhnlich hoch ist der Calciumgehalt.

Verwendete Fachausdrücke

Klone: genetisch identische Individuen, die durch vegetative Vermehrung (Stecklinge, Veredeln,…) entstehen. Bei ausschließlich vegetativ vermehrten Pflanzen (z.B. Obst) sind Sorten immer mit Namen versehene Klone
Bestäubung: Aufnahme des Pollens (Blütenstaub) durch die Narbe der weiblichen Blüten(teile), im Gegensatz zur
Befruchtung: Aufnahme der Spermienzelle durch die in der Samenanlage sitzende Eizelle. Die bei den meisten Blütenpflanzen unbewegliche Spermienzelle wird mittels Pollenschlauch aus dem Pollenkorn zur Samenanlage gebracht.